Das Leben der Anderen leben

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Ein Thema, das mich lange beschäftigt hat, und immer wieder hochkommt . Ich zog zu Hause aus, um mein eigenes Leben zu leben. Endlich nicht mehr die Regeln der Eltern befolgen.

Wie geht das denn überhaupt? Mein Leben lang, bis zu meinem Auszug, haben meine Eltern mir erzählt, was Richtig und was Falsch ist. Natürlich habe ich meine eigene Meinung. Durch moderne Medien und die Schule schaut man über den Tellerrand hinaus. Mitschüler, Lehrer, Freunde, alle tragen dazu bei, dass ich ein wenig anders denke, als meine Eltern.  Aber das Wertesystem, was meiner Einschätzung zu Grunde liegt, wie weit ist das frei erschaffen? Wo gehe ich aus Ablehnung der elterlichen Meinung in die Opposition, und wo lebe ich ihre Einstellung weiter?  Wie weit kann ich überhaupt „mein eigenes Leben“ leben, ohne den Einfluss der Eltern und Bezugspersonen?

Zunächst mal ist das gar nichts schlimmes. (Außer man stellt plötzlich fest, dass es so ist. Obwohl man alles sein wollte, nur nicht wie die Eltern / Bezugspersonen). In den allermeisten Fällen dürfte das eine solide Grundlage sein, auf der man aufbauen kann.

Ich halte den Schritt, sich das bewusst zu machen, für sehr wichtig. Denn erst dann kann ich mich davon lösen, was übernommen, aber nicht zu mir gehörig ist. Dinge, die auf „das war schon immer so“ hinauslaufen. Ich kann mich hinterfragen, woher meine Einstellung zu einem Thema kommt. Und ich kann es bewusst annehmen oder eben verabschieden.  Manchmal wundere ich mich über meine Reaktion auf eine Situation, ich stehe quasi „neben mir“. Je öfter ich mir bewußt mache, dass ich in diesen Momenten nicht zu 100% mein eigenes Leben lebe, desto öfter sehe ich den Ursprung meines Verhaltens in der Situation.

Und dann kann ich es anpassen. Das Leben ist Veränderung, ich bin in Veränderung. Also dürfen auch die alten Werte gehen, die tief in mir verankert sind. Was ich in 20 Jahren von den Eltern, Tanten, Onkels gelernt habe, in 13 Jahren Schule, von Freunden, Nachbarn, Vereinskameraden und so weiter, das ist tief in mir. Nicht immer sehe ich gleich, wo es herkommt.

Manchmal trifft man jemanden, der einem mit seinem Verhalten tierisch auf den Wecker geht. Ein guter Moment mal zu prüfen, wieviel davon in einem selber steckt. Als übernommene Ansicht der Bezugspersonen.

Viel Spaß und viele Erkenntnisse wünsche ich Ihnen!

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