Der kleine Troll

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Jeder von uns kennt sie, die kleinen Trolle des Lebens. Menschen, die uns ungefragt ihre Meinung aufdrängen, alles besser wissen, uns mit ihrem Getue nerven, laut sind, unpünktlich sind…

Ohne sie wäre das Leben so einfach! Ja, das wäre es! Einfach langweilig. Einfach fade.

Was, der nervende Freund, der sich nie entscheiden kann und dauernd jammert macht mein Leben spannend? Na auf die Art Spannung kann ich verzichten!

Tun Sie das! Entspannen Sie sich!

Aber der Reihe nach. Wir reden vom lebenslangen Lernen. Und manche Dinge können wir nicht ohne Lehrer erlernen. Das heißt mit zunehmendem Alter immer weniger, dass jemand vor uns steht und exakt sagt, was wir lernen sollen (oder wollen). Es heißt immer mehr, die Zeichen zu verstehen. Deswegen glaube ich immer weniger ans lernen und immer mehr ans erinnern. Wir tragen alle das universelle Wissen in uns, wir sind hier, weil wir Erfahrungen sammeln wollen. Alles ist Energie, wir verursachen unser Leben. Mir ist es egal ob es messbar ist, statistisch erklärbar, einfach eine Wahrscheinlichkeit oder doch purer Zufall. Ich habe schon oft gespürt, dass jemand an mich denkt egal ob zärtlich zugeneigt oder schroff ablehnend. Oft schon habe ich mit Menschen zusammen gestanden und mitten im Gespräch sagte jemand „das wollte ich auch gerade sagen“, oder „daran habe ich auch gerade gedacht“. Auch kommt man manchmal nach Hause und denkt „Ich hab richtig Hunger, ich muss was essen“ und der Partner hat etwas Leckeres gekocht.

Genauso stelle ich mir die Begegnungen im Leben vor. In mir denkt es etwas, ganz unbewusst, ein flüchtiger Gedanke reicht. Eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten, einen lieben Menschen oder einen Streit.

Und das was wir dabei nicht gelernt oder erinnert haben, was wir nicht gelöst haben, das kehrt zu uns zurück, damit wir es lösen können. Nun sind wir Meister des Verdrängens, das macht es schwer, die Dinge, die in uns vergraben sind einfach so nach oben zu holen und abzuarbeiten. Da kommen unsere Begegnungen ins Spiel. Der Freund, der unentschlossen ist und  quengelt. Es lohnt sich genau hinzuschauen. Begegnet mir das öfter? Fällt mir das häufig auf, auch an anderen Menschen? Wenn nicht, ist es vielleicht nur nötig den Quengler auf sein Verhalten hinzuweisen und wir können uns entspannen. Wenn doch, dann wird es ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Wir haben uns einen Merker gesetzt für unser Leben. „Falls ich mich daran nicht erinnere kommt XY und erinnert mich daran“. Schade, dass XY davon nichts weiß, nicht mal weiß, warum er sich uns gegenüber so verhält. Er kann also nicht sagen „Hallo, ich soll Dich daran erinnern, dass Du in diesem Leben lernen wolltest wie es sich anfühlt, wenn man nie Entscheidungen trifft, aber trotzdem ständig quengelt. Das machst Du auch gerne mal“. Oder einfach nur der Nachbar in der Straße, der gerne laut Musik hört und uns damit trifft. Vielleicht ist es ein Hinweis, dass wir uns ständig verkneifen, auch mal richtig zu feiern.

Das perfide ist, dass wir auf dem Auge blind sind und uns anfangs nicht einmal angesprochen fühlen. „Der ist doof“ denkt es in uns. Und wir glauben, wir meinen den anderen, dabei meinen wir uns.

„Wenn es Dich trifft, betrifft es Dich auch!“

Genauso verhält es sich mit Kritik anderer an uns: Sie kritisieren sich meistens selber. Sobald wir es schaffen aufzuhören uns beleidigt zu fühlen, schauen wir uns die Kritik doch mal an: Stimmt es, dann können wir es abstellen. Stimmt es nicht, können wir die Gedanken an die Kritik und den vermeintlich bösen Menschen, der sie aussprach, ganz schnell wieder loslassen.

Jemand hat ein Selbstgespräch geführt, und wir waren der Spiegel. Wir haben ihn an eine vergrabene Erinnerung geführt. Und er hat sich leider noch nicht daran erinnert, deswegen hat er uns kritisiert. Manchmal ist aber auch die Kritik selber das Zeichen. Laufen wir durch unser Leben und kritisieren viel? Wir spiegeln und werden gespiegelt.

Und auch wenn wir mit uns im reinen sind gibt es irgendwo jemanden, den wir nerven. Weil wir in seinen Augen anders und anstrengend sind. Und uns ist das genau so wenig bewusst. Denn wir leben auf dem gleichen Planeten aber in verschiedenen Welten. Jeder hat seine Sichtweise. Und das bietet die Möglichkeiten zu lernen.

In vielen Fällen sind es die „lieben“ Menschen, die uns unser tiefstes Inneres zeigen und uns vermeintlich weh tun. Auch das hat einen Grund: Bestimmte Dinge, die wir lange mit uns herumtragen, werden wir kaum einfach mit irgendwem teilen. Vielleicht suchen wir uns einen Fremden, der sich dazu unbewusst anbietet, das Gespräch kommt darauf, und ehe wir uns versehen, ist es raus. „Oh, das wollte ich nicht erzählen, das ist mir eigentlich sehr peinlich“. Und doch spüren wir die Erleichterung, dass wir es einmal raus gelassen haben. Öfter ziehen wir einen engen Freund zu Rate, wenn wir glauben, wir können ihm Vertrauen. Und ausgerechnet der versetzt uns einen Stoß. Ja, das passiert. Weil er ein echter Freund ist. Echte Freunde sagen nicht zu allem „Ja“, was wir tun. Echte Freunde gehen dahin, wo es weh tut. Dafür haben wir sie uns in unser Leben geholt. Damit helfen sie am meisten, denn sie fangen uns auch wieder auf. Und nicht immer wissen echte Freunde, was sie zeigen oder von uns gezeigt bekommen. Wir alle haben Erinnerungslücken…

Erinnern Sie sich daran zu akzeptieren, dass wir eine Gemeinschaft sind. Erinnern Sie sich daran, dass wir uns gegenseitig helfen. Erinnern Sie sich an das große Ganze. Und entspannen Sie sich. Vertrauen Sie darauf dass alles einen Sinn hat, den wir nur oft genug nicht gleich erkennen. Wir geben den Dingen einen Sinn. Sie müssen niemandes Verhalten billigen, oder ihn dafür lieben, dass er Ihnen „auf die Nerven geht“. Sie müssen nicht mal Ihre Gedanken oder Gefühle dazu mögen. Aber Sie müssen sich auch nicht dafür schämen. Sie sollten es akzeptieren und darauf vertrauen, dass es für Sie und den anderen wertvoll ist. Unterschätzen Sie Ihre Wirkung auf andere nicht. Lassen Sie wenigstens den Gedanken zu, dass es diese Möglichkeit geben könnte, dass alles zusammengehört, genau so, wie es gerade ist.

Es muss nicht weh tun, dafür müssen wir nur entspannt sein. Wir haben es in der Hand.

 

Mehr zur radikalen Akzeptanz finden Sie unter www.tipping-methode.de

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