Was ist ein Problem?

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In den letzten Wochen wurde ich gut durchgeschüttelt. Seit ca. August letzten Jahres häuften sich die „schlechten“ Nachrichten, Streit, Krebs, Krankheit, Tod, Verlust, Ablehnung drückten sich die Klinke in die Hand, manchmal waren sie auch gleichzeitig da. Ich erkrankte so sehr, dass ich seit längerer Zeit auch mal wieder 2 Tage das Bett gehütet habe, weil der Körper einfach nicht mehr konnte. Zu sehr hatte ich Raubbau betrieben an meinen Kräften. Und jetzt, wo ich dachte es kehrt langsam Ruhe ein, war schon wieder die nächste Beerdigung. Wieder Krebs, ein Mann, der seinen Ruhestand noch nicht lange genoss. Und im Umfeld begegnen mir 2 weitere Menschen, die gerade den Krebs überwunden haben. Ich frage mich dann Dinge wie : „Was verursacht all diese Probleme (in meinem Leben)?“, „Warum kommt es gerade so heftig?“ und ähnliches.  Wenn ich dann mal gefragt werde was mich bedrückt, erkläre ich mich, mein Gegenüber sagt vielleicht sowas wie: „Kannst Du nicht …?“, ich antworte mit einem Satz, der oft so anfängt: „Das Problem dabei ist…“

Also, aus gegebenem Anlass möchte ich hier mal das Thema „Problem“ näher beleuchten. Wie vermutlich viele andere habe auch ich meine Erlebnisse zu Reaktionen und zum Umgang mit diesem Wort.  Gerade wieder in den letzten Wochen.

Ich erinnere mich als war es gestern, dass ich im Großraumbüro war und mein Kollege aus dem internen Vertrieb mit den Kollegen des externen Vertriebs den Stand eines Kundenprojektes besprach. Der Vertriebschef kam ins Büro, hörte kurz zu und fragte: „Was ist los?“ und der Kollege antwortete:“ Wir reden gerade über das Projekt mit dem Kunden X und das Problem ist…“ Noch ehe der Satz vollendet war, sagte der Vertriebschef: „Probleme gibt es nicht, nur Herausforderungen“.

Ein Bekannter sprach in seinen Seminaren davon, dass es gar nicht „Problem“ heißen dürfte. „Es trägt ja nicht zur Lösung bei, es behindert mich ja am Fortkommen, also müsste es eher „Contrablem“ heißen“, und er fragte die Menschen dann: „Was ist Ihr Thema?“ oder „Was ist Ihre Situation?“, nur um das Wort Problem ja nicht in den Mund nehmen zu müssen.

Dies ist mir in den letzten Tagen wieder so oft durch den Kopf gegangen, dass ich beschloss, meine Einstellung dazu mal zu hinterfragen. Was ist denn ein „Problem“ für mich überhaupt? Warum reagiere ich darauf allergisch, wenn mir jemand sagt: „Es gibt da ein Problem“, oder eben nahezu zwanghaft das Wort „Problem“ meidet?

Der Duden sagt dazu:

  1. schwierige [ungelöste] Aufgabe, schwer zu beantwortende Frage, komplizierte Fragestellung
  2. Schwierigkeit

an anderer Stelle heißt es:

HERKUNFTSWöRTERBUCH

Problem

schwierige, ungelöste Frage oder Aufgabe ♦aus lat., griech. problema „Vorsprung, Klippe, Hindernis, Bollwerk“, übertr. „Streitfrage, zweifelhafte Frage“,eigtl. „das Vorgelegte, Hervorragende“, zu griech. proballein „vorwärtswerfen, hinwerfen, entgegenstellen“, aus griech. pro „vorn, voran, voraus, vorwärts“ und griech. ballein „werfen“

Aha, die Silbe Pro ist also doch berechtigt. Denn es ist ja eine Aufgabe für mich. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis aus allen Streitigkeiten und Verlusten. Realistisch betrachtet passieren Dinge eben einfach. Und nicht alles lässt sich vermeiden. Nur wenn ich Dinge persönlich nehme, fühle ich mich schlecht. Nun sind Streits mit Partnern, guten Freunden oder auch Kollegen immer eine persönliche Angelegenheit, und sie tun weh. Ist einfach so. Was tun?

Ein wenig weiter ausgeholt führt es mich immer wieder zu „Warum bin ich hier?“. Was ist der Sinn des Lebens? Denn auch um zu erkennen, das Leben hat keinen Sinn, muss ich überhaupt erstmal annehmen, es hätte einen Sinn. Sonst suche ich etwas, was nicht existiert. Ich glaube für mich, es hat einen Sinn. Ich glaube, es gilt zu erkennen, dass wir alle zusammen gehören, ein Teil von etwas Größerem sind. Warum oder wieso wir getrennt wurden, oder besser gesagt, uns getrennt fühlen, weiß ich nicht. Es ist meine Ansicht des Lebens, weiter nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, dass  all das was ich hier erlebe, Liebe, Freude, Leid und Krieg, mit allem, was dazwischen ist, einfach nur so passiert, aus einer Laune heraus.

 

Ich denke, es dient unserem Wachstum. Ich denke der Weg in die Gemeinsamkeit, das Gefühl des Zusammengehörens, führt über das Annehmen der eigenen Position dabei (siehe auch Blumen und Menschen). Der eigenen Rolle wenn man so will. Den Platz im Getriebe suchen, den ich als Rad einzunehmen habe, damit das Getriebe funktionieren kann. Da ich erzogen werde „Gut“ zu anderen zu sein, vergesse ich vielleicht meine eigene Rolle und ich ordne mich unter. Somit ist das Getriebe nicht richtig zusammengebaut und funktioniert nicht richtig.

Der Umgang mit Problemen

Es gibt viele Empfehlungen dazu, wie man mit unangenehmen Gefühlen fertig wird, eine davon ist, sich den Gefühlen zu stellen, statt sie zu verdrängen. Dann bedrücken sie mich immer weniger, bis ich das Gefühl als neutral ansehe und akzeptiere, es gehört zu mir. Dies funktioniert, weil ich meine Eigenverantwortung übernehme und akzeptiere. „Ich bin so, das ist jetzt da und will gefühlt werden, das tue ich jetzt“. Ähnliches kann ich auf die Angst anwenden. In beiden Fällen ist es leichter, wenn die Gefühle oder die Angst nicht so tief sitzen, aber letztlich ist es immer gleich. Beides zeigt uns, was uns davon abhält Teil des Ganzen zu sein.

Übertrage ich das auf Probleme, die ich habe, komme ich auf folgendes: Es dient dazu etwas über mich zu lernen. Es ist FÜR mich da, nicht gegen mich. Und alles wegsehen oder leugnen bringt nichts. Es ist ja IN MIR, es ist da. Es gibt keinen Weg daran vorbei, nur hindurch. Alles was dieses Problem will, ist dass ich es anschaue. Es verstehe. Dann kann es gehen. Und egal wie schwer es ist, je länger ich warte, desto schwieriger wird es. Es ist egal in welchem Bereich es liegt, es ist immer das gleiche Thema: Ich will wachsen.

 

Ich versuche gerne die Dinge mit Beispielen greifbarer zu machen, also auch hier eines dazu: Ich möchte mir unbedingt etwas kaufen, habe nicht genug Geld dafür. Um dieses Problem zu umgehen, nehme ich einen Kredit auf. Das Problem ist „weg“. So fühlt es sich zunächst an. Eine Zeitlang geht das Gut, dann geht etwas kaputt, und ich brauche für die Reparatur mehr Geld, als ich habe. Ich habe am ersten Kredit schon einiges abbezahlt, also liegt ein weiterer Kredit auf der Hand. Der wird höher als der erste, weil ja noch Restschuld vom Ersten dazu kommt. Gefühlt ist einfach „das nächste Problem gelöst“, weil wir nur die Reparatur sehen, nicht die angenommene Aufgabenstellung „Haushalte mit dem was Du hast“. Und so bezahlen wir den neuen Kredit Stück für Stück ab. Bis wir das Nächste „brauchen“ oder die nächste Reparatur ansteht. Der nächste, etwas höhere Kredit folgt. Und so geht es weiter. Bis wir hoffentlich endlich auf einen grünen Zweig kommen und durch Beförderung, Lottogewinn oder reiche Heirat das nötige Geld haben. Glauben wir. Denn es wird kaum von Dauer sein. Zu viele Geschichten über Pleite gegangene Lottogewinner, verschuldete Stars und Sternchen. Das Problem „Haushalte mit dem was Du hast“ bleibt bestehen. Denn habe ich 1000€ im Monat und gebe 1100€ aus ist das gleiche Thema wie 10 Mio. haben und 11 Mio. ausgeben. Der Prozess ist vielleicht langsamer oder ein anderer, das Problem das gleiche. Und irgendwann muss eine Lösung erfolgen. Weil in diesem Falle keine Bank mehr Kredit gibt.

Ähnlich verhält es sich mit Diktaturen, eine ganze Zeitlang hält der Machtmissbrauch den Deckel auf dem Vulkan. Es muss aber immer mehr an Aufwand betrieben werden, um den Deckel drauf zu halten. Weil die Hitze nicht raus kann, der Druck immer weiter steigt. Und irgendwann bricht alles zusammen. Menschen sterben. Muss das sein?

Und in allen Fällen bietet uns das Leben nach der Lösung, die Gelegenheit zu prüfen, ob wir wirklich alles abgearbeitet haben. Die nächste Verlockung wartet, der nächste Politiker beginnt Macht anzuhäufen, die nächste Täuschung wartet auf uns.

 

Meine Anregung an Sie lautet also:

Wenn Ihnen auffällt, dass sich etwas wiederholt, schauen sie hin. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und denken Sie darüber nach. Atmen Sie durch und spüren, ob ein Kribbeln oder ein Zwicken da ist. Das könnten Zeichen dafür sein, es ist etwas nicht so, wie es sein soll.  Sehen Sie die Situation als Gelegenheit, etwas zu erkennen. Wenn nichts kribbelt, Gut! Kommen Sie danach nochmals in die gleiche Situation, sollten Sie sich mehr Zeit nehmen zu spüren.

Egal um was es geht, wenn Sie sich betroffen fühlen, wenn es in Ihrem Kopf herumspukt, seien Sie sicher, es geht dabei (auch) um Sie.

  •  Schauen Sie sich die Situation an
  •  Legen Sie Schuldzuweisungen ab
  •  Arbeiten Sie aktiv an der Lösung des Problems
  •  Bleiben Sie bei sich
  •  Genießen Sie die Befreiung

 

Was hat all das mit meinen Verlusten, Krebs und Krankheit zu tun?

Offensichtlich habe ich einige Dinge über einen langen Zeitraum nicht gesehen oder ignoriert. Nachdem ich einiges über Krebs gelesen habe, ist für mich einer der Auslöser die Unterdrückung von Gefühlen und das Hegen von negativen Gedanken. Als ich krank im Bett lag, hatte ich Zeit mich damit zu konfrontieren. Beziehungsweise mein Geist machte das schon. Dinge wie die Enttäuschung über den Verlust, die Wut über das Gefühl des Verlassen seins, der Schmerz über den Verlust der Freunde, die Angst davor, an Krebs zu erkranken, all das kam hoch, ich konnte mich nicht dagegen wehren. Und als ich es zuließ und hinsah, wurde es besser. Ich erkannte was dahinter steckte, wofür diese Gefühle in mir standen. Und als ich das akzeptierte, ging es mir besser. Und durch das fallen lassen der negativen Gedanken ist auch die Angst vor dem Krebs gewichen.

Wieder ein oder zwei Probleme weniger. Und so gehe ich weiter durch das Leben, nehme Herausforderungen an. Mal löse ich sie sofort, mal ist es ein steiniger Weg. Aber ich glaube daran, dass wir durch ständiges Training besser werden in allem, was wir tun. Wenn ich mich also aktiv den Problemen stelle, werde ich auch schneller Lösungen finden, ich kann mich schneller entscheiden, bin offener und es wird immer leichter. Ich werde immer besser erkennen, wann ein aktives Eingreifen erforderlich ist. Und ich werde das Steinchen aus dem Weg räumen, bevor ich mir den Reifen daran zersteche und eine teure Reparatur habe. Und auf dem Rückweg den gleichen Stein nochmal treffe.

 

Ich wünsche uns allen immer viel Spaß bei der Lösung unserer Probleme. Je mehr wir alle daran arbeiten, desto schneller sind wir in der Lage, größeres anzugehen. Und eines Tages erleben wir dann eine Welt ohne Unterdrückung, Krieg und Missachtung.

 

Danke für Ihre Mitarbeit daran!

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