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Danke sagen

In den letzten Tagen bin ich wieder vielen Menschen im beruflichen Kontext begegnet, vor allem Jüngeren. Auszubildende, Berufsanfänger, Studenten, Volontäre. Ich habe viele neue Sichtweisen kennengelernt und durfte viel über die Sichtweise der jungen Generation erfahren.

Ich sage an dieser Stelle nochmals „Danke!“ an alle, die Ihre Einstellung darlegten und bereitwillig auf meine Fragen eingingen. Danke an Euch auch für die anregenden Diskussionen, die daraus entstanden. Es war eine sehr interessante Woche.

Gestern ging es dann direkt in diesem Kontext weiter, ich gebe den für den Zusammenhang „Dank“ relevanten Teil sinngemäß wieder, das Gespräch hatte mehr Facetten. Es geht hier nicht um die Kollegin oder ihr Verhalten, sie hat den Anstoß gegeben, diesen Beitrag zu schreiben.

Aus einem Kundentelefonat heraus schüttelte die Kollegin nach dem Auflegen des Hörers den Kopf und sagt sinngemäß: „Das ist schon komisch, eigentlich muss ich mich beim Kunden bedanken, doch er bedankt sich bei mir“ Ich fühlte mich angesprochen, da sie mich ansah und fragte: „Darf ich Sie fragen, wie Sie mit Lob und Dank üblicherweise umgehen?“ Sie erwiderte sinngemäß: „Das fühlt sich immer irgendwie komisch an“ Ich fragte nach, ob Ihr Antworten wie „Da nicht für“ oder „Selbstverständlich“, „das ist meine Aufgabe“ und ähnliches mehr leichter über die Lippen kommen, als Sätze wie „Gerne geschehen“, „es war mir eine Freude“ oder „Freut mich, dass ich helfen konnte“. Sie bejahte diese Frage.

Das ist ein weit verbreitetes Verhalten, kürzlich kam in einem Gespräch bei einem Vergleich kultureller Umstände sogar der Satz „In Deutschland gibt es keine ausgeprägte Lob- und Dankkultur“. Oft bemüht der Satz „Nicht geschimpft ist genug gelobt“. Ist das also der Grund, warum wir mit Lob und Dank im Allgemeinen weniger gut umgehen können? Und wenn ja, warum sollten wir das nicht ändern können? Sind wir nicht schon in einer permanenten Meckerkultur angekommen? Der Boden ist trocken, es regnet endlich, die Natur freut sich. Im Radio heißt es bei den ersten Wetternachrichten. „Wann haben wir wieder schönes Wetter?“ Man kann es kaum erwarten, dass endlich Sommer wird, aber nach 2 Tagen stöhnen schon wieder viele über „diese Bullenhitze“.

 

Hier mal ein paar Gedanken dazu: Wie immer gehe ich davon aus, dass niemand ein bestimmtes Verhalten aus böser Absicht an den Tag legt. Manche Dinge übernehmen wir von den Eltern, Freunden oder Kollegen. Das sollten wir uns beim Thema Lob und Dank auch im positiven Sinne angewöhnen.

Jemand sagt „Danke“, oder er lobt mich, weil ihm etwas an meinem Verhalten, der gelieferten Arbeit oder Information, gefällt. Der Dankende bzw. Lobende möchte Anerkennung ausdrücken. Er möchte zu verstehen geben, dass er die erbrachte Leistung wahrgenommen hat und zu schätzen weiß. Das Lob soll bewirken „weiter so“, es soll dieses als angenehm empfundene Verhalten bestärken und fördern. Der Empfänger der Botschaft soll eine positive Wahrnehmung des Gegenübers aufbauen, und gerne mit diesem Menschen kommunizieren. So entsteht hoffentlich eine freundliche Basis des Gebens und Nehmens.

Und jetzt ist da eine Person, die diesen Dank ablehnt mit „Da nicht für“. Lassen Sie das bitte mal kurz auf sich wirken. Wie geht es Ihnen damit? Vielleicht sind Sie selber so eingestellt, und können Dank und Anerkennung nicht annehmen. Unbewusst. Dann werden Sie es vielleicht nicht weiter beachten, oder sogar denken „genau mein reden“. OK. Ich will Sie nicht verändern, ich möchte Ihnen etwas geben, um Ihr Blickfeld zu erweitern. Was Sie daraus machen ist Ihre Entscheidung.

Schauen wir aus der anderen Richtung. Jemand lernt vielleicht gerade, Dank und Anerkennung auszusprechen. Und bekommt die Antwort: „Da nicht für“. Das wird ihn in seinen Bemühungen kaum motivieren. Wenigstens nicht, wenn er mit Ihnen spricht. Irgendwann dankt er Ihnen einfach nicht mehr.

 

Ist das nicht einfach Schade???

 

Mit kleinen Dingen wie Lob und Anerkennung erreichen wir viel, geben und erhalten Wertschätzung. Machen diesen Planeten einen freundlicheren Ort, fühlen uns alle ein wenig besser, mehr als Teil des Ganzen und angenommen.

Ich finde, wir sollten diese positiven Aspekte fördern. Es kostet ja nicht viel.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir morgen noch hier sind. Auch für den neuen Tag kann man schon dankbar sein, und ihn mit offenen Armen empfangen. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Über kleine Schritte kommen wir auch ans Ziel.

 

Danke fürs Lesen.